Die Luxemburger Deklaration zur betrieblichen Gesundheitsförderung in der EU

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) umfaßt alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefindenam Arbeitsplatz.

Dies kann durch eine Verknüpfung folgender Ansätze erreicht werden:

  • Verbesserung der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbedingungen
  • Förderung einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung
  • Stärkung persönlicher Kompetenzen

Ziel des Netzwerkes ist es, auf der Basis eines kontinuierlichen Erfahrungsaustausches, nachahmenswerte Praxisbeispiele zur BGF zu identifizieren und zu verbreiten. Die Geschäftsstelle des Unternehmensnetzwerk zur betrieblichen Gesundheitsförderung in der Europäischen Union e.V. koordiniert zentral die Vergabe und die Beitrittserklärungen.

Einleitung
Grundlage für die aktuellen Aktivitäten zur BGF bilden zwei Faktoren. Zum einen hat die EG-Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz (Richtlinie des Rates89/391/ EWG) eine Neuorientierung des traditionellen Arbeitsschutzes in Gesetzgebung und Praxis eingeleitet.
Zum anderen wächst die Bedeutung des Arbeitsplatzes als Handlungsfeld der öffentlichen Gesundheit (Public Health).
Gesunde, motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter sind sowohl in sozialer wie ökonomischer Hinsicht Voraussetzung für den zukünftigen Erfolg der Europäischen Union. Der zuständige Dienst der Europäischen Kommission hat daher eine Initiative zum Aufbau eines Europäischen Netzwerkes für BGF unterstützt. Diese Initiative befindet sich im Einklang mit Artikel 129 des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft und dem Aktionsprogramm der Gemeinschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit (2003-2008).
Mitglieder des Europäischen Netzwerkes sind Organisationen aus allen 25 Mitgliedsstaaten, Ländern des Europäischen Wirtschaftsraumes, der Schweiz, sowie der Beitrittsstaaten. Sie sind gleichzeitig nationale Kontaktstellen.

Herausforderungen für die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert
Die Arbeitswelt befindet sich in einer Phase tiefgreifenden Wandels. Wichtige Rahmenbedingungen sind u.a.:

  • Globalisierung
  • Arbeitslosigkeit
  • wachsende Verbreitung neuer Informationstechnologien
  • Veränderungen der Beschäftigungsverhältnisse  (z.B. befristete und Teilzeitarbeit, Telearbeit)
  • älter werdende Belegschaften
  • wachsende Bedeutung des Dienstleistungssektors
  • Personalabbau (Downsizing)
  • wachsender Anteil von Arbeitnehmern in Klein- und Mittelunternehmen (KMU)
  • Kundenorientierung und Qualitätsmanagement

Zukünftiger Unternehmenserfolg hängt von gut qualifizierten, motivierten und gesunden Mitarbeitern ab. BGF spielt eine entscheidende Rolle dabei, Mitarbeiter und Unternehmen auf diese Herausforderungen vorzubereiten.

Betriebliche Gesundheitsförderung: eine Investition in die Zukunft
Der traditionelle Arbeitsschutz hat durch die Verringerung von Arbeitsunfällenund die Prävention von Berufskrankheiten entscheidend zur Verbesserung derGesundheit am Arbeitsplatz beigetragen. Dennoch reichen seine Mittel offensichtlich nicht, um dem weitenSpektrum der o. g. Probleme zu begegnen.
Unternehmen, die Gesundheit an ihren Arbeitsplätzen fördern, senken damitkrankheitsbedingte Kosten und steigernihre Produktivität. Dies ist das Ergebniseiner gesünderen Belegschaft mit höherer Motivation, besserer Arbeitsmoral und besserem Arbeitsklima.
BGF ist eine moderne Unternehmensstrategie und zielt darauf ab, Krankheiten am Arbeitsplatz vorzubeugen (einschließlich arbeitsbedingter Erkrankungen, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Streß), Gesundheitspotentiale zu stärken und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu verbessern.

Betriebliche Gesundheitsförderung: Gesunde Mitarbeiter in gesunden Unternehmen
Der Arbeitsplatz beeinflußt Gesundheitund Krankheit auf verschiedene Art und Weise.
Wenn Beschäftigte unter gesundheits-gefährdenden Bedingungen arbeiten müssen, nicht angemessen qualifiziert sind oder nicht ausreichend von Kollegen unterstützt werden, kann Arbeit krank machen. Arbeit kann aber auch die berufliche und persönliche Entwicklung fördern.
BGF will diejenigen Faktoren beeinflussen, die die Gesundheit der Beschäftigten verbessern. Dazu gehören:

  • Unternehmensgrundsätze und -leitlinien, die in den Beschäftigten einen wichtigen Erfolgsfaktor sehen und nicht nur einen Kostenfaktor
  • eine Unternehmenskultur und entsprechende Führungsgrundsätze, in denen Mitarbeiterbeteiligung
  • verankert ist, um so die Beschäftigten zur Übernahme von Verantwortung zu ermutigen
  • eine Arbeitsorganisation, die den Beschäftigten ein ausgewogenes Verhältnis bietet zwischen Arbeitsanforderungen einerseits und ande-rerseits eigenen Fähigkeiten, Einflußmöglichkeiten auf die eigene Arbeit und sozialer Unterstützung
  • eine Personalpolitik, die aktiv Gesundheitsförderungsziele verfolgt
  • ein integrierter Arbeits- und Gesundheitsschutz

Betriebliche Gesundheitsförderung: nachweislich erfolgreich

BGF beruht auf einer fach- und berufsübergreifenden Zusammenarbeit und kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle Schlüsselpersonen dazu beitragen. BGF kann ihr Ziel "gesunde Mitarbeiterin gesunden Unternehmen" erreichen, wenn sie sich an den folgenden Leitlinien orientiert:

  • Die gesamte Belegschaft muß einbezogen werden (Partizipation).
  • BGF muß bei allen wichtigen Entscheidungen und in allen Unternehmensbereichen berücksichtigt werden (Integration).
  • Alle Maßnahmen und Programme müssen systematisch durchgeführt werden: Bedarfsanalyse, Prioritätensetzung, Planung, Ausführung, kontinuierliche Kontrolle und Bewertung der Ergebnisse (Projektmanagement).
  • BGF beinhaltet sowohl verhaltens- als auch verhältnisorientierte Maßnahmen. Sie verbindet den Ansatz der Risikoreduktion mit dem des Ausbaus von Schutzfaktoren und Gesundheitspotentialen (Ganzheitlichkeit)

Prioritäten des Europäischen Netzwerkes für betriebliche Gesundheitsförderung
Das Europäische Netzwerk für BGF koordiniert den Informationsaustausch und die Verbreitung vorbildlicher Praxisbeispiele in Europa. Seine Mitgliedsorganisationen setzen sich für den Aufbau von Netzwerken auf nationaler Ebene ein. Alle Aktivitäten und Prioritäten basieren auf dem Subsidiaritätsprinzip und unterstützen die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten.
Im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft und das Ziel, BGF in der Arbeitswelt zu verbreiten, betrachtet das Europäische Netzwerk die folgenden Aufgaben als vordringlich und als Grundlage für zukünftige Aktivitäten: 

  • BGF bekannter machen und alle Schlüsselpersonen zur Übernahme von mehr Verantwortung für Gesundheit bewegen
  • Ermitteln und Verbreiten von vorbildlichen Praxisbeispielen
  • Leitlinien für effektive BGF entwickeln
  • das Engagement der Mitgliedsstaaten für die Einleitung entsprechender politischer Schritte sicherstellen
  • die besonderen Anforderungen in der Zusammenarbeit mit KMU berücksichtigen.
  • Nationale Foren und Netzwerke unter Einbeziehung aller relevanten Interessengruppen aufzubauen, um unterstützende BGF-Infrastrukturen für den Informationsaustausch und konzertierte Aktionen zu schaffen


Diese Deklaration wurde von allen Mitgliedern des Netzwerkes für betriebliche Gesundheitsförderung anläßlich ihres Treffens vom 27. bis 28. November 1997 in Luxemburg verabschiedet und im Juni 2005 aktualisiert.

Weitere Informationen erhalten Sie beim

Unternehmensnetzwerk zur betrieblichen Gesundheitsförderung in der Europäischen Union e.V.

 

Ansprechpartner:
Christoph Schwippert
Tel.: 0157-72700039
E-Mail: Schwippert@netzwerk-unternehmen-fuer-gesundheit.de